Bakunins Töchter, Roman
NEUERSCHEINUNG
In den 1970er-Jahren war eine zusammengewürfelte Gruppe aus radikal Linken, Feministinnen, Hippies und Aussteigern angetreten, um in den Arbeiterhäusern eines Gutshofs an der Grenze die ideale Gesellschaft vorzuleben. Die betagte Dora hat fast ihr ganzes Leben in der Kommune verbracht. Voll Ironie und Selbstkritik blickt sie zurück, erzählt von jugendlichem Enthusiasmus, Frauenfeindlichkeit, Machtgier und Widerstand, aufkeimender Anarchie und dem Zerbrechen von Träumen. Sechs Frauen haben durchgehalten. Als eine von ihnen, Hilli, stirbt, bleiben die anderen in enger Freundschaft verbunden – und im Schweigen über einen Vorfall, der das Ende ihres Dorfes hätte bedeuten können. Doch plötzlich tritt ein Störfall ein: Hillis von Selbstzweifeln geplagte Schwiegertochter Carla nimmt im Dorf Quartier, um Distanz zu ihrem frustrierenden Ehefrau- und Mutterdasein zu gewinnen. Carla ist neugierig, sie stellt unangenehme Fragen. Zwischen Frauensolidarität und dem Drang, das Dorf und auch die eigene Haut zu retten, geraten die alten Frauen in ein Dilemma …
„Vielleicht haben die Alten, die längst am Friedhof liegen, die Skandalgeschichte weitergetragen. Kommunisten hätten damals den Hof besetzt, sich den Hof und die Baracken einfach genommen, so wie drüben […] Von Plünderungen, die bevorstünden, war geflüstert worden, so wie damals unter den Russen, als die Leute ihre Schmuckkassetten und Münzsammlungen zwischen den Rüben und Zwiebeln auf den Feldern vergraben hatten. Aus allen Ritzen hatten sie nach draußen geäugt wie Ratten, wenn sich eine von uns im Ort blicken ließ. Bei aller Neugierde hatten sie doch nichts wissen wollen. Sie hatten lieber ihre eigenen Geschichten von Sodom und Gomorrha an der Grenze erfunden und insgeheim wohl gehofft, dass wieder einer kommen würde, der da draußen für Zucht und Ordnung sorgte.“
»Bakunins Töchter«, Roman
Coverbild: Renate Holpfer, »denken.gehen«
edition lex liszt 12
ISBN 978-3-99016-335-1